- Merlot erkennt man an seiner runden, fast schwarzen Beere.
- Er liebt Ton-Kalk-Böden und ein gemäßigtes Klima, treibt im Frühjahr aber früh aus, sodass Fröste ihm schaden können.
- In der Nase zeigt er vor allem Frucht: Kirsche, Pflaume, Feige und Veilchen.
- Im Bordelais geboren, führt er in Saint-Émilion die Cuvée an und bringt Frucht und Rundheit.
- Man findet ihn auch in der Bekaa im Libanon, wo er mit Cabernet Sauvignon verschnitten wird.
Inhalt
- Eigenschaften der Rebsorte Merlot: eine schwarze Beere und eine üppige Traube
- Ton, Kalk und kühles Klima: die Terroirs, in denen Merlot glänzt
- Wie schmeckt Merlot: Rundheit, seidige Tannine und schwarze Früchte?
- Was Reife und Zeit mit Merlot machen
- Bordelaiser Herkunft und ein gemeinsamer Elternteil mit Cabernet Franc
- Merlot in der Cuvée: die Rundheit, die die Struktur abrundet
- Von Saint-Émilion bis zur Bekaa: zwei Ausdrucksformen derselben Rebsorte
- Häufig gestellte Fragen
Merlot ist eine der meistgepflanzten roten Rebsorten der Welt. Trotzdem trinkt man ihn oft, ohne zu wissen, was er eigentlich beiträgt, und das ist schade.
Das Problem: Steht er auf dem Etikett, weiß man nicht so recht, was einen erwartet. Dieser Artikel erklärt, was Merlot ist, woher er stammt und wo er angebaut wird.
Eigenschaften der Rebsorte Merlot: eine schwarze Beere und eine üppige Traube
Merlot erkennt man an seiner runden Beere mit dunkler Haut und blauvioletten Reflexen sowie an seiner üppigen Traube. Um diese Rebsorte zu probieren, bestellen Sie einfach Château Marsyas B-Qā Rouge oder Domaine Wardy Château Les Cèdres.
Merlot reift eine bis anderthalb Wochen vor Cabernet Sauvignon und kommt daher früh zur Lese. Sein potenzieller Alkoholgehalt liegt in guten Jahren über 12,5 %.
Seine Säure liegt mindestens 0,5 g/l unter der der Cabernets, daher der runde Wein. Merlot aus der Bekaa lohnt einen Abstecher: Zur Orientierung empfiehlt sich unser Ratgeber zu libanesischen Rebsorten.
Ton, Kalk und kühles Klima: die Terroirs, in denen Merlot glänzt
Merlot liebt die Ton-Kalk-Böden von Saint-Émilion. Der Ton speichert Wasser, und der Kalk hilft der Rebe, in trockenen Sommern darauf zuzugreifen. Auch die Kiesböden des Bordelais sagen ihm zu.
Auf dem Etikett verrät der Name des Terroirs oft mehr als die Rebsorte, und das ist gut so.
Auf dem Plateau von Saint-Émilion zählen Boden und Klima sehr viel:
- Die tiefen, kühleren Lehm-Ton-Böden helfen dem Wein, seine Frische zu bewahren.
- Mit 13,9 °C Jahresmitteltemperatur und 788 mm Niederschlag pro Jahr bleibt das Klima gemäßigt.
- Doch Merlot treibt früh aus, daher können Spätfröste seine jungen Triebe schädigen.
Wie schmeckt Merlot: Rundheit, seidige Tannine und schwarze Früchte?
Aromen roter und schwarzer Früchte
In der Nase zeigt Merlot vor allem Frucht: Kirsche, Pflaume, Feige und Veilchen. In den Appellationen Saint-Émilion, Pomerol und Fronsac bringt er vor allem reife rote und schwarze Früchte.
Nach einigen Jahren Flaschenreife entwickeln manche Merlots Noten von Schokolade oder Kaffee. Das ist nicht die Regel, aber eine schöne Überraschung. Bei einem jungen Wein spürt man vor allem die Frucht.
Geschmeidige Textur und seidige Tannine
Am Gaumen fällt Merlot zuerst durch seine Geschmeidigkeit auf. Ein geschmeidiger Wein trinkt sich ohne harte Tanninempfindung, und ein runder Wein vermittelt einen vollen, ausgewogenen Eindruck.
Merlot-betonte Weine sind daher oft rund und seidig.
Der Grund liegt in den Tanninen, den Stoffen, die das trockene Mundgefühl erzeugen. Merlot hinterlässt einen sanfteren Eindruck als Cabernet Sauvignon, der fester und austrocknender wirkt.
Sucht man zum Essen einen Wein, der den Mund nicht austrocknet, greift man besser zum Merlot als zum Cabernet.
Was Reife und Zeit mit Merlot machen
Merlot verändert seinen Charakter je nach Reifegrad. Für einen roten Bordeaux muss die Traube mindestens 189 Gramm Zucker pro Liter Most erreichen, also im Saft vor der Gärung.
Darunter überlagern grüne Noten die reife Frucht. Ein zu grün gelesener Merlot lohnt das Öffnen nicht: Man greift zur nächsten Flasche.
Reifung und Stil der Cuvée verändern einen Merlot auf dreierlei Weise:
- Nach etwas Reifezeit tauchen Noten von Schokolade oder Kaffee auf.
- Jung lassen sich die Merlot-betonten Weine aus Saint-Émilion, Pomerol und Fronsac dank ihrer Geschmeidigkeit sofort trinken.
- Konzentrierte, kraftvolle Cuvées dagegen sind für eine lange Lagerung gemacht.
Bordelaiser Herkunft und ein gemeinsamer Elternteil mit Cabernet Franc
Merlot stammt aus dem Südwesten Frankreichs, das Bordelais ist seine Wiege. Sein Name kommt von der Amsel (merle): Die Beeren sind fast schwarz, und der Vogel ist ganz versessen darauf.
Was die Familie angeht, stammt Merlot von Cabernet Franc ab, seinem väterlichen Elternteil, und von der Magdeleine Noire des Charentes, seinem mütterlichen Elternteil. Wer Cabernet Franc mag, findet im Merlot also ein Stück seiner Familie wieder.
Am einfachsten spürt man diese Verwandtschaft, wenn man beide Weine nacheinander trinkt. Die Übung macht schnell Spaß, und man erkennt recht bald, was die beiden Rebsorten gemeinsam haben.
Merlot in der Cuvée: die Rundheit, die die Struktur abrundet
Merlot und Cabernet Sauvignon
In Bordeaux bringt Merlot Frucht und Rundheit. Cabernet Sauvignon liefert Struktur und Tannine, jene Stoffe, die dem Wein am Gaumen einen austrocknenden Geschmack verleihen.
Diese Tannine sind fester und austrocknender als die des Merlot. Bei einem Wein, der reifen soll, hält der Cabernet das Gerüst. Merlot dagegen ist früher trinkreif, und das ist sehr praktisch.
Merlot und Cabernet Franc in Saint-Émilion
In Saint-Émilion führt Merlot die Cuvée an. Er bringt Frucht und Rundheit schon ab dem ersten Schluck.
Cabernet Franc bringt Frische, Lebendigkeit und eine Struktur, die dem Wein beim Reifen hilft. Ohne ihn würde der Wein schnell schwer wirken. Für einen Lagerwein kommt man nicht ohne ihn aus.
In Pomerol nimmt Merlot rund 80 % der Rebfläche ein. In den Cuvées lässt er den anderen Rebsorten mehr Raum, wie diese Tabelle zeigt.
| Rebsorte | Rebfläche in Pomerol | Anteil in den Cuvées (Saint-Émilion, Pomerol, Fronsac) |
|---|---|---|
| Merlot | etwa 80 % | 60 bis 80 % |
| Cabernet Franc | etwa 15 % | 20 bis 30 % |
| Cabernet Sauvignon | etwa 5 % | unter 10 % |
Von Saint-Émilion bis zur Bekaa: zwei Ausdrucksformen derselben Rebsorte
Merlot in der Gironde
Am rechten Ufer regiert der Merlot. In Saint-Émilion, Pomerol und Fronsac dominiert er die Weinberge. Man findet ihn auch in den Cuvées des übrigen Bordelais.
Warum diese Stellung? In Saint-Émilion passen der Ton-Kalk-Boden und das gemäßigte Klima zu ihm. Die kühleren Böden helfen dem Wein zudem, seine Frische zu bewahren, und genau das fehlt allzu schweren Merlots.
Merlot in der Welt
Merlot bleibt nicht in Bordeaux. Im Bekaa-Tal im Libanon wächst er neben Cabernet Sauvignon, in einem deutlich heißeren und trockeneren Klima.
Château Ksara ist ein gutes Beispiel: Sein Rouge 2019 vereint 60 % Cabernet Sauvignon, 30 % Merlot und 10 % Petit Verdot. Der Cabernet führt, der Merlot rundet ab.
Um diese Weine einzuordnen, ohne sich zu verlieren, lesen Sie am besten unseren Ratgeber zu libanesischen Weinen. Eine Rebsorte, zwei Stile: Am besten verkostet man sie nebeneinander.
Merlot erkennt man an seiner runden Beere und seiner reifen Frucht. Er ergibt einen geschmeidigen, runden Wein, den man jung trinkt.
Um ihn wirklich zu erfassen, verkostet man am einfachsten einen Merlot und einen Cabernet nacheinander. Der Unterschied in der Geschmeidigkeit fällt schnell auf, und genau da versteht man, was die Rebsorte beiträgt.
Häufig gestellte Fragen
Ist Merlot ein trockener oder lieblicher Wein?
Merlot ergibt meist trockene Weine. Seine reife Frucht kann das Gegenteil vermuten lassen, weil man eine gewisse Süße wahrnimmt, doch lieblich ist der Wein deshalb nicht.
Ist Merlot ein guter Rotwein?
Ja, sofern man weiß, was man kauft. Merlot kann einen leichten, fruchtigen Rotwein ergeben oder eine konzentrierte, kraftvolle Cuvée, und der Stil hängt vom jeweiligen Wein ab.
Für das alltägliche Essen passt ein leichter Merlot hervorragend.
Welche Speisen passen gut zu Merlot?
Merlot passt gut zu rotem Fleisch, Geflügel und Schmorgerichten mit Sauce. Die Merlot-betonten Weine aus Saint-Émilion, Pomerol und Fronsac harmonieren mit vielen Gerichten. Die gute Nachricht: Bei Tisch ist er unkompliziert.
